Das Coronavirus ist aktuell in Allermunde. Warum aus dem tragischen Thema ein klassischer Fall eines Medienhypes entstanden ist und was für Konsequenzen durch Fake News entstehen können, erklärt Web-Analyst Tobias Looschelders im Interview mit ProSieben und Sat.1 NRW.

ProSieben & Sat.1 Interviews: Coronavirus-Hysterie - Der Medienhype und seine Auswirkungen

Die aktuelle Situation ist besorgniserregend

Kaum ein Thema beschäftigt die Medienwelt aktuell so stark wie das Coronavirus. Erst kürzlich hat die Luftwaffe ein Flugzeug nach China geschickt, um deutsche Staatsbürger aus der Volksrepublik heim zu holen, aktuell befinden sich diese Menschen in Quarantäne.

Täglich erscheinen neue Artikel in den Medien, die die Angst weiter schüren. Das Resultat: In Deutschland ansässige Asiaten werden auf der Straße schief angeguckt, gemieden oder anderweitig ausgegrenzt. Ob die Menschen überhaupt aus China kommen oder nicht, scheint für derartig handelnde Personen nicht relevant.

Die emotionalisierte Berichterstattung formt aus der Angst Hysterie

So schlimm und bedauerlich die Todesfälle sind, wurde das Thema in den Medien schon früh sehr unsachlich behandelt und eine Hysterie entstand.

Doch wie konnte es überhaupt zu dieser Hysterie kommen? Vom ProSieben- und Sat.1-Fernsehen zu Rate gezogen analysiert Tobias Looschelders die Berichterstattung der Online Medien und die Diskussion im Web:

Zwar müsse man den Virus logischerweise ernst nehmen, da er noch kaum erforscht ist, die Nachrichten klangen aber bereits in einem frühen Stadium so bedrohlich, dass man hätte denken können, die Pest sei ausgebrochen. Dabei fiel die tatsächliche Faktenlage zu dieser Zeit vergleichsweise ernüchternd aus.

Möglicher Grund für den Medienhype ist die Tatsache, dass das Neue, Unbekannte in unserer Gesellschaft zunächst einmal mit Skepsis oder Angst betrachtet wird. Denn das, was unbekannt ist, droht unseren gewohnten Alltag zu stören oder zu verändern. Die eigene Angst ist dann aussagekräftiger als die tatsächlichen Fakten. Dass einige gängige Medien dann auf den Zug der Boulevardisierung aufspringen, indem die Berichterstattung bewusst emotionalisiert wird, bestätigt die Menschen in ihrer Gefühlslage und führt zur Hysterie.

Das Internet multipliziert die Angst der Bevölkerung

Das Internet ist in dieser Angstdebatte mittlerweile ein gängiger Katalysator, der dafür sorgt, dass Berichte, aber auch vorläufige Berichte oder Fake News viel schneller verbreitet werden können. So passiert es, dass sich Gerüchte und Falschmeldungen, die ins Narrativ des Medienhypes passen, mehr Aufmerksamkeit erhalten als wichtige Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Nicht jedem Artikel blind Glauben schenken

In Zeiten, in denen der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn in einer ZDF-Talkshow mit einem Arzt streitet, ist es besonders wichtig sich darauf zu besinnen, welchen Medien man Beachtung schenkt.

Merkmale seriöser Medien und Berichte können beispielsweise die genutzten Quellen sein. Werden überhaupt Quellen genannt/verlinkt? Woher kommen diese, bzw. werden auch andersdenkende Quellen dargestellt?

Außerdem sollte darauf geachtet werden, ob das Medium sachliche Informationen teilt oder die Artikel stark emotionalisierend formuliert.

Es gilt daher besonders bei solchen Themen, Artikel kritisch zu lesen und zu hinterfragen – vor allem bevor sie in Social Media geteilt und weiterverbreitet werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass bei aller Vorsicht vor allem Realismus gefordert ist. Es darf nicht passieren, dass Hysterie und Fake News zu Ausgrenzung führen.